Weitere Schulungskurse für ehrenamtliche Helfer/innen ab Mai 2010

Ab Mai 2010 finden weitere Schulungskurse für ehrenamtliche Helfer/innen und Angehörige von Demenzkranken statt.

Als Träger niedrigschwelliger Betreuungsleistungen organisiert die Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e.V. mit Förderung über den Kommunalen Sozialverband Sachsen und die Krankenkassen Schulungskurse für „Ehrenamtliche Helfer/innen“ und pflegende Angehörige zur Betreuung von Demenzkranken an. Die Qualifizierungskurse werden Ende Mai 2010 fortgesetzt. Helfer und Angehörige werden an vier Veranstaltungstagen auf ihre Tätigkeit als Betreuer und Begleiter von Menschen mit Demenz vorbereitet. Nach Abschluss erhalten die Teilnehmer einen Nachweis über die Qualifizierung als Helfer in Betreuungsgruppen und für die Betreuung daheim.

Ehrenamtliche Helfer leisten nach Angaben der Angehörigen-Initiative einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von Demenzkranken leisten. Sie entlasten die Angehörigen durch Übernahme zeitaufwendiger Betreuungsleistungen und schaffen den Freiraum für deren eigene Bedürfnisse, Gesunderhaltung und Erholung. Eine angemessene Schulung gilt als Voraussetzung für den Einsatz und für die Gewährung einer Aufwandsentschädigung über die Pflegekassen. Bei entsprechendem Betreuungsbedarf erstatten die Pflegekassen (§45a/b SGBXI).den Angehörigen bis zu 200 Euro im Monat.

Schulungsort ist wie bisher die Demenzhilfe-Beratungsstelle der Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e.V.

Informationen:

27. bis 29. Mai 2010 – Demenzhilfe-Beratungsstelle
Höltystraße 30, 04289 Leipzig,
Schulungskurse für „Ehrenamtliche Helfer/innen“
Teilnahme für Ehrenamtliche kostenfrei
Kurszeiten von 9:00 bis13:00 u. 14:00 bis 18:00 Uhr
Anmeldung und weitere Termine
Demenzhilfe-Telefon 0341 / 8632 9906
oder www.demenz-leipzig.de

MDR 1 RADIO SACHSEN | Expertenrat | 30.03.2010 | 11:00 Uhr

Hilfe für Pfleger von Demenz- und Alzheimer-Kranken

Studiogast: Dr. Josef Hille von der Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e.V.

Was geht in einem Menschen mit Demenz vor? Gibt es ganz typische Verhaltensweisen bei Demenzkranken? Wohin können sich Pflegende wenden, wenn sie sich überfordert fühlen? Antworten gibt der Expertenrat.

Die Diagnose “Demenz” wirkt auf den Betroffenen selbst, aber auch auf seine Familienangehörigen wie ein Schock. Sie stehen plötzlich vor Problemen, auf die sie nicht vorbereitet sind. Rund 1,2 Millionen an Demenz erkrankte Menschen leben derzeit in Deutschland. In Zukunft wird ihre Zahl noch zunehmen. Mehr als zwei Drittel der Alzheimer- und Demenzkranken werden von ihren Angehörigen versorgt. Diese Arbeit ist nicht nur zeitaufwendig, sie ist vor allem auch emotional sehr belastend. Pflegende Familienmitglieder können schnell an Grenzen stoßen, bis zu der sie die Belastung aushalten können. Da sind Angst, Wut und Unruhe auf beiden Seiten. Und es geht immer auch um die persönliche Würde. Wer die besonderen Probleme beim Umgang mit Alzheimer- und Demenzkranken kennt, kann gelassener und einfühlsamer reagieren. Tipps für pflegende Familienangehörige gibt der “Expertenrat” von MDR 1 RADIO SACHSEN am Dienstag.

Brauchen Demenz-Kranke tägliche Aufgaben, um sie besser ins Familienleben zu integrieren? Antwort gibt der Expertenrat.

Hören Sie hier die Aufzeichnung der Sendung:

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Leipziger Volkszeitung vom 09.03.2010 – Stundenbetreuung untauglich


Den original Artikel finden Sie auch hier als Download.



Von Ministerin Schröders Vorschlag einer Teilzeit halten Betroffene wenig

Leipzig. Für Berufstätige, die Angehörige pflegen, will Familienministerin Kristina Schröder (CDU) eine Pflegezeit einführen. Ihre vorgeschlagene Zwei-Jahres-Teilzeit lehnt die Wirtschaft ab: Das geht ihr zu weit. Die Sozialverbände lehnen auch ab: Das geht ihnen nicht weit genug. Ein Besuch bei Betroffenen zeigt: Der häuslichen Pflege helfen keine Pauschallösungen. Schon gar nicht bei Demenzkranken.

Von Andreas Friedrich

Man könnte aufzählen, wann der Tag für Monika Hille beginnt und wann er endet. Doch das wäre ungenau. Denn mitunter gibt es weder Anfang noch Ende. Die Leipzigerin betreut ihre demenzkranke Mutter. Die 81-Jährige blickt freundlich, wenn man sie grüßt und grüßt zurück. “Sie lebt total im Augenblick”, relativiert ihre Tochter. Momente später hat sie den Ankömmling schon vergessen. Sie merkt sich nicht alltägliche Handgriffe – wo sie ihre Laufhilfe anfassen, wie sie ihre Zahnprothese einsetzen muss, dass sie essen muss. Für Monika Hille heißt das in der Regel Dienst von früh um sechs bis abends um zehn, sieben Tage die Woche: anziehen, waschen, Frühstück machen, alle zwei Stunden zur Toilette, Mittag, Kaffee, Abendbrot, Ausziehen, ins Bett bringen. Dazwischen Zeitschriften blättern, reden. “Sie war eine starke Frau, 30 Jahre lang Betriebsdirektorin”, erinnert sich Monika Hille. Heute freut sich ihre Mutter über Tiersendungen.
Frau Hille könnte noch arbeiten gehen, aber sie kann nur aus dem Haus, wenn Mutter Anna zur Tagespflege abgeholt wird. Zweimal die Woche von acht bis vier. Das reicht nicht für einen Job, es reicht gerade, um alles Nötige zu erledigen. Ihr kann kein ambulanter Dienst helfen, weil Stundenbetreuung nichts bringt. Folglich nützt ihr auch keine Pflegeteilzeit. Sie will und muss sich um ihre Mutter kümmern. Ins Heim gibt sie sie nicht. Die durchschnittliche Verweildauer Demenzkranker dort beträgt sechs Monate, hat ihr Mann Josef Hille recherchiert. Die Entscheidung fürs Heim wäre keine Lösung. Es wäre ein Urteil. Monika Hille lobt die Familienministerin für ihren Vorschlag. Nicht weil sie ihn gut findet, aber weil er die Diskussion entfacht. “Einer muss ja mal aufs glatte Eis gehen”, sagt sie. Es hätte auch Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sein können. Der ist für Pflege zuständig. Doch den hören die Hilles immer nur sagen, dass das Geld im Gesundheitssystem bald alle ist. Nun steht die junge Frau Schröder auf dem Eis, und alle schubsen an ihr rum. Wirtschaftsverbände schimpfen, die zweijährige Pflegeteilzeit zu reduzierten Bezügen über vier Jahre hinweg ginge viel zu weit. Monika Hille kann sie verstehen: “Das ist eine Belastung für ein Unternehmen. Auch ist unklar, ob pflegende Angehörige in dieser Zeit nicht ganz aus dem Job aussteigen. Man ist irgendwann fix und fertig.”
Die Sozialverbände kritisieren den Ministervorschlag, weil sie zwei Jahre für zu kurz halten. Die durchschnittliche Pflegezeit betrage acht Jahre. Monika Hille versteht auch diese Meinung. Sie betreut ihre Mutter nun sechs Jahre und schränkt zwar ein: “Es gibt Fälle, da reichen zwei Jahre Pflege vielleicht. Bei Demenz aber nicht.”
Das ist eine Aussage, die Schröders Vorschlag zum Kippen bringen könnte. Beruf und Pflege sind offensichtlich noch weniger vereinbar als Beruf und Kinder. Und für die vielen Geringverdiener unter denen, die sich um Angehörige kümmern, ist die Teilzeit ohnehin kein
Modell, weil dann gar kein Geld mehr bleibt und zudem eine Rentenkürzung droht. Meist pflegten Frauen, die verdienten ohnehin weniger. Dann bekämen sie zwei Drittel von fast Nichts, gibt Monika Hille zu verstehen. Pflegekritiker Claus Fussek vergleicht die Idee, als spritze man mit einer Wasserpistole gegen einen Waldbrand. “Jeder, der nur rudimentäre Kenntnisse über Pflegeaufwand besitzt, müsste sofort erkennen, dass dieser Vorschlag der falsche Ansatz ist”, urteilt Fussek. Auch weil von den etwa 2,25 Millionen Pflegebedürftigen bundesweit (Zahl von 2007) über die Hälfte an Demenz und Alzheimer erkrankt sind. In Sachsen von etwa 130000 Pflegefällen rund 80000. Jedes Jahr steigt die Zahl um fünf bis zehn Prozent. Etwa zwanzig Prozent der 80-Jährigen, knapp die Hälfte der 90-Jährigen ist betroffen. “Über zwei Drittel der Demenzkranken werden von Angehörigen gepflegt. Die sind Deutschlands größter Pflegedienst”, sagt Josef Hille. Ein Dienst auf eigene Kosten. Am Anfang gibt es für Demente nicht mal eine Pflegestufe. Sie sind aktiv und mobil. Dass manche Hamsterkäufe tätigen, weil sie vergessen haben, dass sich zu Hause bereits überflüssige Güter türmen, gilt nicht als Krankheitsbild.
Monika Hille empfiehlt einen Blick nach Österreich. Dort zahlt der Staat für jeden Schwerstfall monatlich 1500 Euro. Folglich werden 83 Prozent aller Patienten zu Hause gepflegt. Davon hätte zwar die Pflegeindustrie nichts, aber die Angehörigen Demenzkranker. “Bekämen wir einen Teil des für die ambulante Pflege vorgesehenen Geldes, hätten wir einen kleinen Ausgleich für den Einkommensausfall”, fordert Monika Hille. Auf die Ministerin kommt sie dann doch noch mal zurück. “Die Politik redet über ein Problem und entscheidet, ohne vorher mit denen zu reden, die es betrifft”, kritisiert sie und beendet das Gespräch. Sie muss nach ihrer Mutter sehen.

Josef Hille: Über zwei Drittel der Demenzkranken werden von Angehörigen gepflegt. Die sind Deutschlands größter Pflegedienst.

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Artikel im “SachsenSonntag” vom 07.02.2010

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LVZ Artikel vom 04.02.2010 – Info-Mobil, Schulungen und Internet

Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig organisiert vielfältigsten Beistand

In Sachen Hilfe-Organisieren ist die Alzheimer Angehörigen-Initiative rege in Leipzig unterwegs: In diesen Tagen setzt sie die Qualifizierung ehrenamtlicher Helfer für die Betreuung von Demenzkranken fort. “Weitere Kurse folgen ab März”, so Vorstandsmitglied Josef Hille.

Ehrenamtlich tätige Helfer könnten die Angehörigen Demenzkranker immerhin entlasten, ihnen auch mal Freiraum für eigene Bedürfnisse, Gesunderhaltung und Erholung schaffen. Als Träger niedrigschwelliger Betreuungsleistungen bewerkstelligt die Initiative – gefördert über den Kommunalen Sozialverband Sachsen – diese Schulungskurse. Solch ein Lehrgang und Fortbildung seien Voraussetzung für den Einsatz bei der – die Angehörigen unterstützenden – häuslichen Versorgung Demenzkranker sowie für die Gewährung einer Aufwandsentschädigung über die Pflegekassen. Bei entsprechendem Betreuungsbedarf könnten den Angehörigen die Kosten für in Anspruch genommene, zusätzliche Betreuungsleistungen bis maximal 200 Euro pro Monat erstattet werden, weiß Hille. Seit mehr als drei Jahren würden zudem Angehörigen-Selbsthilfegruppen bestehen, die sich in zentrumsnahen Einrichtungen monatlich treffen. Die Teilnehmer können sich dort nicht zuletzt offen und uneingeschränkt auch über die Pflegesituation ihrer demenzkranken Familienmitglieder in den verschiedenen Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen austauschen.

“Mittlerweile fährt auch ein mobiler Informationsstützpunkt durch die Stadt und ihre Umgebung. Das Demenzhilfe-Mobil ist ein privat finanziertes Projekt unserer Initiative und bietet kostenlose Beratung zu allen Fragen der Erkrankung und deren Bewältigung an”, so Hille. Das Mobil mache – stets witterungsabhängig – Halt in verschiedenen Leipziger Stadtteilen und biete somit die Möglichkeit, sich vor Ort anonym von kompetenten Gesprächspartnern beraten zu lassen. Zugleich machten Aufschriften am Fahrzeug, Flyer und Informationsmaterial auf die Beratungs-, Schulungs- und Hilfsangebote der ehrenamtlich arbeitenden Mitarbeiter und Helfer der Angehörigen-Initiative aufmerksam. Mit dem Mobil könnten vor allem ältere Ratsuchende, für die das Internet nicht zugänglich ist, erreicht und in der eigenen Häuslichkeit beraten werden, denkt Hille. Informationen zu den Angeboten – für die Schulungen und die Selbsthilfegruppen ist stets eine Anmeldung nötig – gibt es unter Telefon 0341 86329906 oder unter www.demenz-leipzig.de. Letztgenannte Internetseite wurde übrigens aus eigener Kraft und eigenen Mitteln neu gestaltet. “Per Internet können wir als von den Landesverbänden der Pflegekassen in Sachsen anerkannte Beratungsstelle unseren Aufgaben noch besser nachkommen. Unterstützung erfahren wir zudem von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen”, so Hille.

Angelika Raulien

Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e.V. mit Demenzhilfe – Beratungsstelle, E-Mail info@demenz-leipzig.de.

Neue Schulungskurse für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer

ab Ende Januar 2010 können sich Interessierte über die Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e. V. qualifizieren.

Ehrenamtlich tätige Helferinnen und Helfer können einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von Demenzkranken leisten. Sie entlasten die Angehörigen durch Übernahme zeitaufwendiger Betreuungsleistungen und schaffen den Freiraum für deren eigene Bedürfnisse, Gesunderhaltung und Erholung.

Als Träger niedrigschwelliger Betreuungsleistungen organisiert die Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e.V. mit Förderung über den Kommunalen Sozialverband Sachsen Schulungskurse für „Ehrenamtliche Helfer/innen“.
Eine angemessene Schulung und Fortbildung gilt als Voraussetzung für den Einsatz bei der häuslichen Versorgung demenzkranker Menschen zur Unterstützung der Angehörigen (§45c SGBXI) und für die Gewährung einer Aufwandsentschädigung über die Pflegekassen. Bei entsprechendem Betreuungsbedarf können die Kosten für in Anspruch genommene zusätzliche Betreuungsleistungen bis maximal 200 Euro pro Monat den Angehörigen durch die Pflegekassen erstattet werden (§45a/b SGBXI).

Die Qualifizierungskurse beginnen Ende Januar. Während des fünf Veranstaltungen zu jeweils vier Stunden umfassenden Qualifizierungskurses werden die Helfer/innen auf ihre Tätigkeit als Begleiter von Menschen mit Demenz umfassend vorbereitet. Nach Abschluss des Kurses erhalten die Teilnehmer einen Nachweis über die erworbene Qualifizierung als Helfer/in in Betreuungsgruppen und bei der Betreuung zu Hause für Menschen mit Demenz. Interessenten erhalten ausführliche Informationen bei der

Beratungsstelle der Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e.V.
Tel. 0341 / 86329906 oder unter www.demenz-leipzig.de

Artikel in der LVZ

Ankämpfen gegen das Vergessen

Leipziger Ehepaar engagiert sich für die Angehörigen DemenzkrankerLVZ Artikel
Zuerst schmiss sie ihre Plattensammlung weg. Dann bestellte sie immer mehr Bücher, die sie nicht las und Medikamente, die sie nicht nahm. Vertreter schwatzten der Rentnerin einen Internet­anschluss auf, obwohl sie keinen Computer besaß. Immer öfter saßen Glücksritter und Drücker auf ihrem Sofa. Sie jammerte über die seltenen Besuche ihrer Tochter, die zweimal täglich vorbei schaute. Monika Hille verstand ihre Mutter nicht mehr, die früher so unternehmungslustig war und sich immer mehr zurückzog, die nicht mehr ins Theater wollte und Angst hatte vor Fahrten mit der Straßenbahn.

Vor zehn Jahren erkrankte ihre Mutter an Alzheimer. Heute ist sie ein Pflegfall; unfähig, allein zu überleben. „Erst spät haben wir erfahren, was mit ihr passierte. Als uns der Arzt sagte, sie habe Alzheimer, war das ein Schock“, sagt Hille. Von diesem Tag an änderte sich auch das Leben der 60-Jährigen und ihres Mannes Josef. Sie nahmen die Mutter zu sich, die damals noch kein Pflegefall war, doch immer umsorgt werden wollte und Geborgenheit brauchte.

Das Ehepaar begann, nach Beistand zu suchen, nach Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Doch sie fanden nicht das, wonach sie suchten. Niemand sagte ihnen, zu welchen Ärzten sie gehen sollten, wie sie sich gegenüber einer Demenzkranken richtig verhalten, welche Rechte sie haben als pflegende Angehörige. Einmal saßen sie im Publikum einer Podiumsdiskussion. Es wurde über Pflege diskutiert, über die Zukunft der Alten in einer alternden Gesellschaft. „Da saßen Politiker und Vertreter der Wohlfahrtsverbände. Nicht mit einem einzigen Wort wurden pflegende Angehörige erwähnt“, sagt Josef Hille. Zwei Drittel aller Pflege­fälle würden zu Hause durch Verwandte versorgt, die der „größte Pflegedienst Deutschlands“ seien.

Im April 2008 gründete das Ehepaar Hille die Alzheimer-Angehörigen-Initiative (AAI). Sie wollen andere Angehörige unterstützen und eine Lobby bilden für sie. Josef Hille hat in Chemie und Ingenieurwesen promoviert, mit 69 Jahren wurde er Kassenwart seines gemeinnützigen Vereins. Monika Hille, die Vereins­vorsitzende, hat Geschichte studiert und später einen Kosmetiksalon betrieben, den sie für die Pflege ihrer Mutter aufgab. Beide wollten ihren Ruhestand genießen, „viele Reisen unternehmen, nach Norwegen zum Beispiel“, sagt Monika Hille. Stattdessen bauten sie das Dachgeschoss ihres Hauses zum Beratungs­raum ihres Vereines um. Dort empfangen sie andere Angehörige und tagen mit dem Verein, der inzwischen zehn Mitglieder hat. „Die meisten haben Berufe, die für unsere Vereinsarbeit nützlich sind, zum Beispiel Pfleger und Ärzte“, sagt Hille. Der Verein hat ein Sorgentelefon eingerichtet, das fast jeden Tag klingelt. Dann rufen Menschen an, die nüchtern Fragen stellen oder verzweifelt um Hilfe bitten. „Neulich war eine Frau am Telefon, die mit ihrem Mann nicht mehr zurecht kam, weil er immer aggressiver wurde“, berichtet Hille. Typisch sei das für Demenzkranke. Sie spüren die Spannung, ahnen Verschulden. „Das beste ist, ihnen in allem recht zu geben. Sie nicht zu berichtigen und ihnen ihr Vergessen nicht vorzuhalten.“

Die AAI wird mittlerweile von der Deutschen Alzheimergesellschaft empfohlen und von Krankenkassen unterstützt. Im September hat sich der Verein auf eigene Kosten einen Kastenwagen gekauft, um mobil beraten zu können. „Demenz ist für viele noch immer ein Tabu“, sagt Josef Hille. Am 21. September, dem Welt-Alzheimertag, standen sie einen Tag lang am Augustusplatz. Sobald die Pflege für ihre Mutter sichergestellt ist, wollen sie wieder los. Ankämpfen gegen das Vergessen.

Michael Sellger

Telefon 0341 86329906; www.aai-leipzig.de

Demenzhilfe – Mobil

Ein mobiler Informationsstützpunkt fährt zukünftig durch die Stadt Leipzig und ihre Umgebung.
Das Demenzhilfe – Mobil ist eine Initiative der Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e.V. und
bietet kostenlose Beratung zu allen Fragen der Demenzerkrankung und deren Bewältigung.
Ziel der dauerhaft angelegten Informationsoffensive ist die Entstigmatisierung der Krankheit
Demenz sowie die Aufklärung über das Krankheitsbild und deren Folgen für die Familien. Das
Angebot ist vor allem gerichtet an die betreuenden und pflegenden Angehörigen von
Demenzkranken. Gesprächspartner sind in Betreuung und Pflege kompetente Angehörige von
Demenzkranken, die ihre Erfahrung und praktischen Kenntnisse ratsuchenden Betroffenen,
Angehörigen und Interessierten anbieten. Zugleich machen Aufschriften am Fahrzeug, Flyer
und Informationsblätter auf die Beratungs- und Schulungs- und Hilfsangebote der ehrenamtlich
arbeitenden Mitarbeiter und Helfer der Angehörigen-Initiative aufmerksam.
Das Demenzhilfe – Mobil macht Halt in verschiedenen Stadtteilen von Leipzig und bietet die
Möglichkeit, sich vor Ort anonym von kompetenten Gesprächspartnern beraten zu lassen.
Interessierte können umfangreiches und verständliches Informationsmaterial mitnehmen oder
bestellen. Die Informationsoffensive wird durch umfangreiches Informationsmaterial unterstützt.

Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e.V.
Kontakt- & Beratungsstelle
Höltystraße 30
04289 Leipzig
Tel.: 0341 – 863 299 06
Fax: 0341 – 863 2796
E-Mail: ed.gizpiel-znemed@ofni
Internet: demenz-leipzig.de
Das Demenzhilfe – Mobil

Artikel in der Leipziger Volkszeitung

Am 17.07.2009 veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung einen Artikel über den Verein. Dieser kann auch hier als PDF runtergeladen werden.


Hilfe für Familien von Alzheimer-Kranken
Angehörigen-Initiative bietet kostenlosen Schulungskurs

Etwa 7000 Menschen leiden in Leipzig und Umgebung an Demenz. Damit konfrontiert sind letztlich alle Familienmitglieder. Sie – so sagen Betroffene – blieben bislang mit ihren vielen Fragen zum Umgang mit der veränderten Lebenssituation im Raum Leipzig weitgehend allein. Jetzt schlossen vor Ort eine Krankenkasse und ein Angehörigen-Verein einen Kooperationsvertrag, um Abhilfe zu schaffen.

„Meine Frau und ich, wir haben sicher viele Fehler gemacht. Aber wir wollten auch zu gern wissen, was wir tun können und haben verzweifelt nach Hilfe gesucht, aber damals nicht gefunden“, sagt Josef Hille, wenn er von familiär schwierigen Zeiten erzählt. Von Zeiten, in denen jeweils ein Elternteil von ihnen an Alzheimer erkrankte und betreungsbedürftig wurde. Ein Berg von Problemen sei auf sie zugekommen. Wie umgehen mit jemandem, der alles vergisst, dessen Verhaltens- und Wesensart sich völlig wandelt? Wie dem Vater klar machen, dass er besser kein Auto mehr fährt und unbedingt mal zu einem Facharzt muss? Gerade dann, wenn der Betroffenen körperlich noch fit ist, sich noch allein Haare kämmen und Schuhe anziehen kann und demzufolge keine Pflegestufe zu bekommen ist, wobei eine Rundum-Betreuung längst sein muss. Dazu zig behördliche Angelegenheiten, die es zu regeln gilt.

„Es braucht einem nicht um Pflegeangebote und medizinische Betreuung Bange zu sein, all das ist in Leipzig schon vorhanden“, meint Hille. „Aber uns mangelte es als Angehörigen an elementarer Beratung.“ Wo immer Hille und seine Familie auch nach Hilfe suchten oder „googelten“: „Hier im Raum war für so etwas einfach kein Ansprechpartner zu finden. Und Hausärzten fehlt oftmals die Zeit für solche Gespräche. Oder man wird einfach nicht ernst genommen.“

Was Hille und seine Frau indes fanden, waren Gleichgesinnte. Im April vorigen Jahres kam es zur Vereinsgründung. Die „Alzheimer-Angehörigen-Initiative Leipzig“. „Wir haben uns verschiedene Schwerpunkte gesetzt“, erläutert Vorstandsmitglied Hille. „Wir haben für betreuende Angehörige ein Sorgentelefon geschaltet – unter der Rufnummer 0341 86329906. Wir haben eine Kontakt- und Beratungsstelle aufgebaut – in der Höltystraße 30. Wir haben eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige etabliert – sie trifft sich jeden dritten Mittwoch im Monat von 17 bis 18.30 Uhr in der Höltystraße. Und wir haben im Internet eine Website zwecks Information eingerichtet – unter der Adresse www.aai-leipzig.de. Nicht zuletzt möchten wir öffentlich Aufklärungsarbeit leisten – und zwar für alle Generationen in einer Familie, die mit der Problematik Alzheimer und Demenz konfrontiert sind.“ Das alles geschehe ehrenamtlich und bislang auch auf eigene Kosten, fügt er hinzu.

Als jetzt auch ein qualifiziertes „Orientierungskurs“-Angebot für pflegende und betreuende Angehörige sowie ihre ehrenamtlichen Helfer auf den Weg gebracht werden sollte, geriet die Initiative auf der Partnersuche in eine Sackgasse. „Wir haben zuerst die großen Krankenkassen hier vor Ort angefragt, erhielten gar keine Antwort oder wurden regelmäßig vertröstet“, so Hille. Einzig die Pflegekasse der KKH-Allianz in Leipzig sei sofort bereit gewesen zu helfen.

Initiative und Kasse schlossen einen Kooperationsvertrag. „Wir bezahlen den Schulungskurs, der erst­mals am 21. August, 10 Uhr, im Park-Krankenhaus in der Klinik für Psychiatrie in der Morawitzstraße 2 eröffnet wird“, sagt Dieter Elsner, der Leiter des KKH-Kundenzentrums Leipzig. „Für die Teilnehmer ist der Kurs kostenlos – ganz gleich übrigens, welcher Kasse sie wiederum angehören.“

Angelika Raulien

Bei Fragen und Anmeldung zum Kurs: Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig, Telefon 0341 86329906 oder bei der KKH-Allianz im Servicezentrum Thomaskirchhof 21, Telefon 0341 2159555.

A. Rau.

Leipziger Volkszeitung vom 17.07.2009